Der achtgliedrige Weg

Ziel ist ein Vergrößerung unseres Bewusstseins.

Patañjali hat einen Weg beschrieben mit acht Zugängen und Möglichkeiten der Praxis. Wo man beginnt ist in diesem holistischen System nicht so wichtig, denn alles gehört zusammen und soll uns in das „erleuchtete Bewußtsein“, der Vereinigung mit dem „Quantenfeld“ / „Gesamtbewußtsein“ / „göttlichen Bewußtsein“ bringen. Jede Stufe ist dabei unverzichtbar, das bedeutet, dass keine besser oder wertvoller ist als eine andere.

Wenn wir dieses theoretische Konzept in praktische Erfahrung umsetzen, können wir erleben, wie diese einzelnen „Stufen“ bzw. „Tools“ in der Praxis sich gegenseitig fördern und beleben, eine Eigendynamik entwicklen ähnlich wie einem Kreislauf, einem Gefüge, in dem wir Kraft und Dynamik entwickeln können. Das geordnete Zusammenwirken aller „Tools“ unterstützt unseren Weg zur inneren Freiheit – zu Samadhi.

1. Yama – vom Umgang mit der Welt

Yama beinhaltet Vorschläge zum Handeln in der äußeren Welt:

  • Ahimsa ist der bewußte, gewaltfreie, rücksichtsvolle Umgang mit mir selbst, allen Lebenwesen und der Welt.
  • Satya bedeutet Wahrhaftigkeit und Offenheit
  • Asteya ist der bewusste Umgang mit unseren „Begehren“, „Haben-Wollen“, vor allem der Dinge, die uns nicht gehören.
  • Bramacharya ist das richtige Maß im Handeln, sich nicht in seinen Leidenschaften zu verzettel.
  • Aparigraha bedeutet, nur so viel zu besitzen aus dem Überfluß von Natur und Gesellschaft, wie wir wirklich brauchen.

Praktizieren wir diese Vorschläge, kann unser Geist immer ruhiger werden.

2. Niyama – der Umgang mit sich selbst

Hier gibt es Vorschläge zum Umgang mit uns selbst

  • Shauca bedeutet reinheit von Körper, Geist sowie unsere Umwelt rein zu halten. Es bedeutet auch, eine übertriebene Sorge über unsere Vergänglichkeit unseres Körpers aufzugeben und uns unseren inneren Werten zuzuwenden.
  • Santosha ist die Zufriedenheit und Wertschätzung dessen was wir haben – in allen Aspekten unseres Lebens.
  • Tapas bedeutes stetiges Bemühen in meinem Selbstfindungsprozeß . Das Feuer dass mir hilft auch durch schwierige Phasen des Prozesses mit Mut, Ausdauer und Durchhaltevermögen hindurch zu gehen – die Qualität der Disziplin.
  • Svadhyaya ist die Selbstreflexion. Hier geht es um die achtsame, wertschätzende Begleitung meines inneren Prozesses.
  • Ishvara Pranidhana bedeutet die Entwicklung eines Urvertrauens in „meine Ur-Seele“ , oder einer höheren Kraft – wie auch immer wir diese bezeichen möchten. Hier gründet sich das Vertrauen, dass der Übungsweg des Yogas – des Weges zu meinem tieferen Selbst, funktioniert.

3. Asanas – Körperhaltungen/übungen

Die erste und einzige genannte Haltung war bei Patanjali der Lotussitz. Alle weiteren Asanas folgten erst wesentlich später zur Zeit der Hatha Pradipika. Patanjali beschreibt die Qualitätsmerkmale dieses Asanas – die wir für alle weiteren Asanas ableiten können – wie folgt:

  • Verweilen in Leichtigkeit und Stabilität
  • Regungslosigkeit in der Haltung soll unseren Geist beruhigen, sie dient der Sammlung des Geistes.
  • Dieses Verweilen soll weder Krampf noch Kampf oder Zwang beinhalten, sondern in einem „glücklichen Raum“ geschehen. Nur so kann der Körper gefallen an den Haltungen finden und sich entfalten. So kann die Energie frei und ökonomisch zirkulieren.
  • Die Dosierung soll an die Grenezen gehen um sie langsam auszudehnen – ohne Zwang oder Druck. Dies würde den Körper – und damit den Geist – sonst wieder in Disharmonie zurückbringen, neue Spannungen und Schmerz verursachen.

Hierbei geht es darum, vorherrschende Verhaltensmuster und Impulse zu erkennen.

Im Vini-Yoga arbeiten wir mit der Trias von Körperhaltung-Bewegung + Achtsamkeit + Atmung. Hierbei wird die Bewegung der Atmung untergeordnet. Das Tempo der Bewegung läuft gleich mit der Atmung. Dies geschieht unter dem mentalen Aspekt des Gewahrseins. Auf diese Weise bleiben wir während des Übens in Harmonie, Leichtigkeit und Wohlbefinden. Dennoch erweitern wir dabei unsere Grenzen – und zwar genau in dem Tempo, das unser Körper braucht um „zu wachsen“ und auch wieder „heil zu werden“.

4. Pranayama – Regulierung des Atems

Unser Atemzentrum liegt sehr zentral im Gehirn und unterhält beste Beziehungen zu Körper, Geist und Gefühlen, sozusagen überall hin. Der Atem spiegelt die Unruhe unseres Geistes wie auch unsere Gefühle wieder. Die klugen Yogis haben erkannt, dass dieser Weg auch umgekehrt funktioniert: durch die bewußte Veränderung des Atems können wir die Aktivitäten des Geistes und unsere Gefühle wie auch die Befindlichkeit unseres Körpers beeinflussen. So gibt es ausgleichende, beruhigende wie auch anregende Pranayamas.

Mit Achtsamkeit ist es das Ziel, den Atem immer feiner fließen zu lassen, um innere Blockaden aufzulösen, die unsere klare Wahrnehmung behindern. Diese ist die Voraussetzung für die folgende Stufe.

5. Dharana – Konzentration

Hier geht es um die Fähigkeit, sich konzentrieren zu können um die Aufmerksamkeit ausrichten zu können, bei dem zu bleiben, was wir gerade tun. Ziel ist es den Geist ausgerichtet zu lassen, um tiefer in ein Tun, einen Sachverhalt, eine Betrachtung oder ein Gefühl einzudringen. Die Qualität der Achtsamkeit , des nicht Urteilens ermöglichen die wertfreie Betrachtung.

Werbefachleute fanden vor vielen Jahren heraus, dass unser Geist durchschnittlich drei Sekunden die Konzentration zu halten vermag. Ich befürchte, dass durch die vielen parallelen Einflüsse unserer heutigen Welt diese Fähigkeit weiter abnimmt… – Als (kleine) Kinder war diese ein Teil unserer Fertigkeiten, wir brauchen also nur wieder Training!

6. Dhyana – Meditation

In der Meditation verlassen wir unser automatisches Gedankenspiel und somit unsere gewöhnlichen „Denk-Routinen“. Wir fokussieren uns außerhalb unseres analytischen Verstandes auf unser Meditationsobjekt und machen den Weg frei zu unserer Intuition, unserer Herzweisheit. So wird tieferes Verstehen möglich, Erkennen der wahren Natur der Dinge. Wir lösen uns dabei von unseren erlernten Denkmodellen, Erfahrungen und Sichtweisen. Es lösen sich Gefühle auf, die den Blick auf die Wirklichkeit verstellen.

Man kann es auch so sagen: erlernte Denkmodelle, Sichtweisen, Glaubenssätze, Erfahrungen, Gefühle haben sich auf unsere Fensterscheibe gesetzt und sie gehörig verschmutzt. Dann ist es uns unmöglich, die Wirklichkeit dahinter genau und richtig zu erkennen!

In dem Zustand der Meditation öffnet sich unser Blick. So können wir die erlernten Denkmodelle, Sichtweisen, Glaubenssätze, Erfahrungen, Gefühle bewusst erforschen. Wir verstehen, wie wir funktionieren, was uns antreibt und beeinflußt.

Alleine mit dem Bewusstwerden wird ein Transformationsprozess eingeleitet. Wir müssen also um nichts „kämpfen“, nicht aktiv tun oder verändern, ganz im Gegenteil: es geschieht ganz von alleine! Es geschieht nach und nach durch die Erweiterung unseres Bewusstsein.

8. Samadhi – Verschmelzung

Samadhi ist das Einswerden mit dem was ich beobachte, fühle und tue. Wir kennen dieses Gefühl, haben es alle schon erlebt. Als Kinder haben wir es immer mehr verloren, da sich unser wachsender Verstand dazwischen geschaltet hat, mehr und mehr, bis er so dominat wurde, dass wir diesen Zustand als Erwachsene wieder erlernen müssen.

In Sport und Kunst gibt es den Begriff des „Flow“, der annähernd Samadhi bedeutet. Samadhi ist das Ziel des Yoga-Weges.

In Samadhi verbinden wir uns wieder mit unserer Herzweisheit und Intuition, mit dem Quantenfeld, mit dem „großen Bewusstsein“!